Volles Rooäää Richtung Weltherrschaft bis Epidermolysis Bullosa kickt – Juli 2020

Veröffentlicht am 5. August 2020 von Pascal Dupré

Manchmal frage ich mich, wo der Sinn der ganzen Geschichte hier ist. Warum ich morgens eigentlich aufstehe. Wieso ich den Tag auf der Couch verbringe. Weshalb ich eigentlich hier bin. Doch ich glaube, der Juli hat mir einige gute Antworten gegeben.

Der sechste Anlauf und endlich wieder 🔴 LIVE

Dies in mein sechster Anlauf diesen Text zu schreiben. Ich weiß ganz genau, was ich schreiben möchte und was ich erzählen möchte. Doch irgendwie ist da eine Blockade. Nichts will raus. Wenn dann doch mal eine Idee da ist, dann lenken mich wunderbare Menschen im Internet ab.
Bleiben wir am Besten direkt mal beim Thema Internet. Endlich ist mein wunderschönes Gesicht wieder live und in Farbe im Internet zu sehen. Endlich wieder streamen. Endlich wieder meine Community zum Lachen bringen. Doch wenn ich ehrlich bin, ist es viel mehr als das. Es ist nicht nur ein Rumblödeln mit Fremden im Netz. Nein, es ist auch irgendwo ein bisschen Aufklärung. Ein bisschen Ablenkung. Sogar ein bisschen Vorbild sein. Mich überraschte es sehr als ich erste Nachrichten bekam, in denen stand „Ich bin auch behindert. Traue mich nicht mal raus. Du bist ein Vorbild für mich!“. Selbstverständlich nicht in diesem Wortlaut, aber doch ähnlich. Das ist für mich etwas, was ich noch nicht richtig verarbeiten kann. Es ehrt mich so sehr und mir fehlen da die Worte. Sogleich wirkt es sehr surreal. Generell. Da draußen sitzen Menschen, schauen mir zu und finden das auch noch gut. Unfassbar.

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Das schockierende Weltbild

Genau so unfassbar ist für mich, dass es Menschen gibt, die anscheinend in einer kompletten Abschirmung leben. Oder in einer Art anderer Welt. So bekomme ich zum Beispiel Fragen gestellt wie „Wie kannst du überhaupt streamen wenn du behindert bist?“ oder „Wie kannst du auf einer Tastatur tippen wenn du keine Finger hast?“ usw. usw. usw. Ganz ehrlich, ich beantworte sehr gerne jegliche Fragen, die mir gestellt werden. Jemanden wie mich sieht man ja nicht alle Tage. Da kommen einige Fragen. Doch das sind Fragen, bei denen ich mich ernsthaft frage, wie der/die Zuschauer*innin aufgewachsen ist. Behindert bedeutet nicht, dass man GAR NICHTS kann. Dass man nur in einem Rollstuhl sitzt, von A nach B geschoben wird, gefüttert wird und der Arsch auch bitte sauber gewischt wird. Ich entschuldige mich an dieser Stelle für meine Wortwahl. Doch ich bin ehrlich schockiert, was teilweise für ein Weltbild da draußen existiert.

Der 02.Juli und PummelParty mit Kaya Yanar

Erlaubt mir nun euch mitzunehmen zum 2. Juli 2020. Ich saß vor der Kamera, hatte es mir gemütlich gemacht und fuhr mit Philipp meine Runden in Formel 1 2019. Wenn ich Formel 1 spiele ist es für mich schwierig auf den Chat zu achten. Nun stellt euch mal vor wie es sich anfühlt aus dem Augenwinkel zu sehen, dass dich jemand mit 1.500 Leuten hostet. Uff. Konzentration war da. Zum Glück war das Rennen eh fast vorbei. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an den lieben Moji. Ein feiner Kerl. Er blieb sogar noch ein Weilchen im Chat. Große Ehre. Das war ein unfassbares Gefühl. In dieser Nacht lernte ich auch das erste Mal diesen „Hype Train“ kennen. Doch das ist eine andere Geschichte.

“Moji” auf Twitch

Als sich gegen 2:00 Uhr oder 3:00 Uhr nachts (ich verlor irgendwann die Fähigkeit Zeit und Raum korrekt wahrzunehmen) das Ganze etwas beruhigt hatte und ich anfing über mein Bett nachzudenken, eskalierte es erst recht. Nun saß ich da mit einem großen Lächeln im Gesicht, erzählte Dinge und beantwortete Fragen. Bis ein gewisser „KayaZockt“ 20 Abonnements verschenkte und mir die Kinnlade runter fiel und ich mich höflich bedankte.

Kaya auf Twitch

Parallel flippten meine Mods im internen Chat komplett aus! Warum war mir im ersten Augenblick nicht so recht klar. Es sei noch mal dazu gesagt. Es war spät … nein früh. Ach. Egal. Ihr wisst schon. Eventuell hätte ich die Situation etwas frühers schneller raffen können. Zurück zum Eigentlichen: Dieser Kaya bei dem ich mich da bedankte, war kein anderer als Kaya Yanar. Der Kaya Yanar. Der „WAS GUCKST?!“ – Kaya Yanar. Was tat ich? Ich begrüßte ihn mit „Kaya! Arschratte mein Freund!“. Wer’s kennt weiß Bescheid. Selbstverständlich kannte es Kaya auch noch. War damals sogar in seiner ersten Episode 2001. Verrückt wie lange das her ist. Früher im Fernsehen gefeiert. Heute sitzt er irgendwo in der Schweiz und lacht über meine schlechten Witze. Mal ehrlich. WAS? Ich hab in meinem Leben so viel erlebt, doch das toppt absolut alles.

Während Kaya lustig weiter Abonnements verschenkte, nahm ich meinen Mut zusammen und fragte ihn, ob wir mal gemeinsam zocken wollen. Er hätte „Nein“ sagen können und ich hätte das verstanden und wäre nicht traurig gewesen. Doch er sagte „Ja“! Er sagte einfach ja. Unglaublich. Ok, cool. Er blieb noch eine Weile mit im Chat und interagierte mit mir und den anderen Zuschauern. Feine Sache. Doch mein Bett rief. Der 2. Juli 2020 wird in Erinnerung bleiben. Dankeschön Moji. Dankeschön Kaya. Darum liebe ich das Internet.

Doch ab hier fing der Wahnsinn eigentlich erst an. Nun nahm Kaya mit mir Kontakt auf und wir machten einen Tag zum gemeinsamen Spielen aus. Das ganze toppte er noch mit „Ich organisiere noch weitere Mitspieler!“. Das ließ meine Fantasie natürlich ordentlich warmlaufen. Was würde passieren wenn ich am Tag X zum Beispiel Gronkhs Stimme hören würde? Selbstverständlich vom Stuhl kippen und Schnappatmung bekommen. Was sonst?!

Ähm ja…. sorry. Ging mal wieder mit mir durch. Ich bin selten nervös. Wirklich. Doch nun am Tag X ging mir die Pumpe ordentlich. Eventuell hab ich auch etwas gezittert. So kannte ich mich noch gar nicht. Nach ein paar technischen Schwierigkeiten wars dann soweit. Gemeinsam mit Kaya, Shlorox, TinkerLeo und vielen weiteren zockte ich „PummelParty“. Es war zu Beginn etwas ungewohnt und ich fühlte mich etwas fehl an Platz. Doch die Gruppe war so freundlich und nahm mich in ihre Reihen auf. Shlo ist ein richtig sympathischer Kerl. TinkerLeo sowieso. Somit war meine Aufregung auch schnell dahin. Kurz gesagt. Ich wurde nicht Letzter und hatte richtig viel Spaß. An dieser Stelle ein erneutes Danke an Kaya. Doch auch an Shlo und TinkerLeo. Das ist nicht selbstverständlich. Niemand hätte das machen müssen. Kaya nicht. Shlo nicht. Doch sie waren da. Dankeschön <3 “Shlo” auf Twitch

“TinkerLeo” auf Twitch

Leider gab es auch wieder kritische Stimmen anschließend: „Die haben doch nur mit dir gespielt, weil du behindert bist. Sonst würden die sich doch gar nicht für dich interessieren.“ Eigentlich möchte ich das nicht kommentieren. Doch ich hab es ein bisschen satt nur auf meine Behinderung reduziert zu werden. Ich hab so viele andere tolle Facetten. Ich kann entertainen und andere zum Lachen bringen. Nur als ein Beispiel.
Doch ja, wahrscheinlich passiert alles nur, weil ich behindert bin. ¯\_(ツ)_/¯

Ich liebe das, was gerade passiert, sehr. Es fühlt sich gut an und ich genieße es. Und ganz ehrlich. Ich hab Bock. Richtig Bock auf all das und all das was da noch kommt. Eventuell starte ich irgendwann den Stream und starte mit 1.000 Zuschauer*innen. Irgendwann mit 10.000. Wer weiß das schon? Egal wie es weiter geht. Egal was die Zukunft bringt. Das Streamen tut mir gut. So schnell möchte ich nicht aufhören und vor allem nicht aufgeben. Vielleicht kommt auch der Tag an dem ich Mama was zurückgeben kann. Ihr ein Haus bauen kann. Jaa, ich denke oft und gerne groß. Doch Träume sind wichtig. Und ich glaube das sich irgendwann jeder Traum verwirklichen lässt.

An dieser Stelle auch noch mal ein danke an dermaKIDS. Ohne deren Unterstützung wäre all das in diesem Ausmaß nicht möglich. Danke.

DermaKIDS

Wenn EB kickt

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. So streame ich Nacht für Nacht und hab meinen Spaß. Wenn es nach mir ginge, würde ich den ganzen Tag streamen. Von früh bis nachts. Vielleicht in ferner Zukunft mal. Doch kaum bin ich im Flow und alles läuft wie am geschmierten Schnürchen. Dann reist mich EB kaltblütig raus und wirft mich zurück. Wie in so einem Horror Film.

„Es ist nachts gegen 02:34 Uhr. Jack geht den Flur seines neuen Hauses am Rande des Maisfelds entlang. Der Wind pfiff durch die das offene Fenster in der Küche. Es hörte sich nach einem Flüstern an >ich hole dich<. Doch Jack wusste, sowas wie Geister gibt es nicht. Eigentlich wollte er nur ein Glas Wasser. Doch plötzlich. Ein Blitz am Himmel. Ein helles Licht durchfuhr sein neues Heim. Stille. Jack hörte nur sich atmen. Nur seinen Atmen und seinen Herzschlag. Bedrückend. Und dann wie aus dem nichts packte ihn etwas an den Beinen, riss ihn den Boden unter den Füßen weg und schleifte ihn quer durchs Haus.“

Mir ist bewusst, dass dies zu meinem Leben dazu gehört. Das ich es nicht ändern kann und ich von heute auf morgen mehrere Tage ausfallen kann. Ja vielleicht sogar Monate wie es mir dieses Jahr schon passiert ist. Doch es tut jedes Mal aufs Neue weh. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Gerade wenn man etwas gefunden hat was man liebt und dann so plötzlich es verlassen muss. Oder liegen lassen muss. Alles Gründe warum ich auch keiner echter Arbeit nachgehen kann. Doch um ehrlich zu sein. Ich würde das streamen schon gern beruflich machen. Was mich dann sehr erstaunt hat, sind die ganzen lieben Nachrichten. Das Verständnis was mir entgegen gebracht wurde. Hier merkte ich das erste Mal, dass hier gerade wirklich eine kleine Community wächst. Was mich sehr freut.

Was mir momentan auch etwas sehr zu schaffen macht, ist das ich derzeit keine Freunde im echten Leben hab bzw. einen guten Freund. Eine Bezugsperson. Jemand mit der ich mal raus kann. Über Themen reden kann bei denen Mama auch mal nicht die erste Wahl ist. Ja, da sind viele Freunde im Internet. Die ich auch alle sehr schätze. Doch eine echte Schulter ist noch mal was anderes als eine virtuelle.

Dann ist da diese eine Person, der ich gern so viel sagen möchte. Erklären möchte. Besprechen möchte. Loslassen und aus den Kopf bekommen kann ich irgendwie nicht so gut. Jetzt hab ich so viel geschrieben. Wahrscheinlich doch wieder viel zu viel vergessen. Doch irgendwann sollte man zum Ende kommen. Auch wenn mich Schmerzen oder andere „Nebenwirkungen“ von EB immer wieder zurück werfen. Ich gebe nicht auf und mache weiter.

Ein Hinweis in eigener Sache

Sollte Dir gefallen was ich mache, dann sag es weiter oder lass mir doch ein netten Gruß zukommen. Falls Du mich sogar unterstützen möchtest, dann geht das über Patreon. Via Amazon-Wishlist kannst Du mir auch kleine und große Wünsche erfüllen. All das muss aber nicht sein. Für mich ist es Freude genug, wenn Du Dich an meinem Schaffen erfreust.

Bleibt gesund,
Euer Pascal

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