Pokémon: Let‘s Go, Evoli! – Der Traum vom Pokémon-Meister, aber nur ohne Behinderung!

Veröffentlicht am 21. November 2018 von Pascal Dupré

Am 16.11.2018 erschienen „Pokémon: Let‘s Go, Evoli!“ und „Pokémon: Let‘s Go, Pikachu!“ für die Nintendo Switch. Beides sind damit die ersten Pokémon-Spiele für die Switch-Konsole. Als die Spiele angekündigt wurden, war meine Freude groß – endlich Pokémon spielen auf der Switch.

Doch bei genauerem Hinsehen war zu erkennen, dass Pokémon: Let‘s Go! kein normales Pokémon-Spiel werden würde. Das Pokémon Go! – Prinzip wird aufgegriffen, Kämpfe fallen weg und ein Schwierigkeitsgrad ist kaum vorhanden. Somit war meine Vorfreude schnell getrübt. Doch als das Release-Datum näher kam und mehr Details zum Spiel bekannt wurden, wuchs meine Begeisterung dann doch und ich spürte ein starkes Verlangen das Spiel zu spielen.

Meine bisherige “Pokémon-Karriere”

Meine erstes Pokémon-Spiel war die Blaue Edition. Ich bin sozusagen mit den Pokémon groß geworden. Ich sammelte alle Karten und tauschte sie eifrig mit meinen Freunden. Die kleinen Monster waren Teil meiner Kindheit und haben mir durch schwere Zeiten geholfen.

Und nun war es endlich soweit: Dank eines lieben Hörers (großes Dankeschön an dieser Stelle an Robert S.!) erhielt ich „Pokémon: Let‘s go, Evoli!“ als Geschenk. Meine Vorstellung war, dass ich das Spiel entspannt im Sessel zocken könnte. Ich erwartete keine großen Herausforderungen, sondern ein Spiel das mich ablenkt und auf andere Gedanken bringt, wenn die Schmerzen mal wieder zu stark werden.

Ein Hinweis vorab

Wer jetzt hier einen detaillierten Test erwartet, den muss ich leider enttäuschen. Dazu verweise ich auf meinen guten Freund M00sican, der eine ausführlichen Test und auch ein sehr lustiges Let‘s Play erstellt hat:

Meine ersten Schritte im Spiel

Ich habe das Spiel eingelegt, den blauen Joy-Con genommen und als erstes festgestellt, dass ich Schwierigkeiten hatte den Joy-Con zu halten. Wer mich kennt, weiß dass ich bei solchen Sachen nicht so schnell aufgebe und nach einigen Minuten habe ich es dann endlich doch hinbekommen, den Controller zu halten.

Ich erstellte meinen Charakter und tauchte in die wunderbare Welt der Pokémon ein. Es dauert nicht lange bis man seinem Partner-Pokémon begegnet. Das süße kleine Evoli sprang mich aus dem Gras an. Eins muss man an der Stelle sagen, das Spiel sieht wirklich sehr gut aus.

Der erste Kampf

Nun kommt es gleich zu ersten Neuerung: Man muss nicht mehr gegen die Pokémon kämpfen, um sie zu schwächen. Es reicht ähnlich wie in Pokémon Go! eine Wurfbewegung mit dem Controller, um das Pokémon mit einem Pokéball zu fangen.

So viel zur Theorie, nun zu meiner Praxis: Ich schwang den Controller und nichts passierte. Ich schwang ihn kräftiger, schwächer, von oben und von unten. Es half alles nichts. Als der Controller mir schließlich wegrutsche und ich mir dabei wehtat, war mein Frustrationslevel am Limit. Ich bin aufgestanden und habe im Stehen andere Positionen ausprobiert. Vor Wut habe ich den Controller am Ende nur noch geschüttelt und siehe da, der Pokéball flog endlich und das Evoli wurde gefangen. Extrem genervt setze ich mich zurück in meinen Sessel und folgte der Story weiter. Es folgte jede Menge „BlaBla…“, wer Pokemon kennt, weiß was ich meine.

Weiter in der Welt von Pokémon: Let‘s Go, Evoli!

Danach war es endlich soweit: Ich durfte hinaus in die Spielewelt und der beste Trainer der Welt werden. Keine zwei Meter aus der Stadt hinaus, fiel mich auch schon das erste Ratzfatz an. Hier ist positiv anzumerken, dass die Pokémon direkt an der Oberfläche zu sehen sind. Das gefällt mir gut.

Weniger gefielen mir meine erneuten Probleme. Gleiches Prozedere wie beim ersten Mail: Ich schwang meinen Controller, kam leider auf den B-Knopf und bin dadurch ungewollt geflüchtet. Neuer Versuch: Ich steuerte direkt das nächste Pokemon an, schwang meinen Controller, der Ball flog, nur nicht in Richtung des Pokemon. Der nächste Ball flog leider wieder nicht, ich kam wieder auf B und die Aktion war beendet. Ich probierte ohne Erfolg weitere fünf Minuten. Inzwischen war ich so frustriert, dass mir sogar die Tränen kamen. Ich verstehe, dass ich kein Battlefield und Co. spielen kann, aber Pokémon war immer das Spiel, das ich spielen konnte. Steuerkreuz + A, Steuerkreuz + B usw. waren nie ein Problem. Nun war mein Gedanke: Man hat mir mein Pokémon kaputt gemacht und damit eine meiner schönen Kindheitserinnerungen. Wütend knallte ich den Controller in die Ecke und ging ins Bett. Auf dem Weg ins Bett spürte ich deutliche Schmerzen im Arm.

Eine neue Hoffnung: Der Handheld-Modus

Am nächsten Morgen, immernoch mit Schmerzen im Arm, habe ich direkt nach dem Aufstehen meiner Mama den Controller in die Hand gedrückt und ihr ohne Context gesagt: “Bitte fang ein Pokémon!”. Nach einem “Muss das wirklich jetzt sofort sein?” sagte ich “Ja, es muss sofort sein!”. Mama konnte, ohne dass ich irgend etwas erklärt habe, sofort problemlos ein Pokémon fangen. Das zeigt, das Spiel erfüllt seinen Zweck. Es ist ein Spiel, das jedermann sofort spielen kann. Es zeigte sich, dass der Misserfolg am Vorabend an mir und meinen Einschränkungen lag.

Im Laufe des Tages bekam ich von Robert einen Hinweis, dass man das Spiel auch im Handheld-Modus spielen kann. Dabei muss man nur den A-Knopf drücken, um ein Pokémon zu fangen. Ich holte den Joy-Con erneut aus der Ecke, steckte ihn an die Switch und legte die Konsole auf den Tisch. Schnell merkte ich, dass er Recht hatte und das Fangen der Pokémon so sehr gut funktionierte. Da diese Körperhaltung aber nicht sehr angenehm für mich war, wechselte ich mit der Switch in meinen Lieblingssessel. Doch siehe da, plötzlich war das Fangen doch nicht mehr so einfach. Nur durch minimale Bewegungen veränderte sich mein Blickfeld und ich verlor das Pokémon aus den Augen. Später merkte ich, dass diese Funktion eigentlich wichtig ist, um bewegliche und größere Pokèmon zu fangen. Halten, bewegen und gleichzeitig drücken ist für mich aber einfach zu schwierig. Ich merkte, dass mir bei dieser typischen “Handy-Körperhaltung” schnell Rücken und Nacken schmerzten. Lösen konnte ich das nur, in dem ich häufig die Körperhaltung wechselte und beim Fangen den Atem anhielt und meine Spielzeit stark begrenzte. Also wurde aus meinem ursprünglichen Plan leider nichts. Statt mich von den Schmerzen abzulenken, wurden es sogar noch mehr.

Mein Fazit nach ca. 15 Stunden Spielzeit

Das Spiel macht definitiv großen Spaß. Es sieht auf der Switch fantastisch aus. Dass die Pokémon auf der Oberfläche zu sehen sind, ist eine tolle Neuerung. Ich hoffe sehr, dass das auch bei der nächsten richtigen Edition so beibehalten wird. Ich fühle mich in diesem Teil sehr in meine Kindheit zurückversetzt, was ich sehr schätze.

Allerdings wurde wieder mal dieser kleine Schritt nicht mitgedacht. Ich weiß, dass Menschen mit körperlichen Einschränkungen nur ein kleiner Teil derer sind, die dieses Spiel spielen. Wahrscheinlich klingt das für einen großen Teil der Leser wie “Jammern auf hohem Niveau”, doch für mich handelt es sich dabei um ernsthafte Probleme, die mir den Spielspaß nehmen und damit auch ein bißchen meiner Lebensfreude. Ich würde mir wünschen, dass es ein Update für den Pro-Controller gibt und ich somit das Spiel gemütlich im Sessel vor dem Fernseher spielen kann ohne anstrengende “Verrenkungen”. Einfach nur A drücken wie im Handheld-Modus oder dass man das Bewegen des Blickfelds deaktivieren kann.

Fazit: „Pokémon: Let’s Go, Evoli!“ ist ein schöner Start für die Pokémon-Serie auf der Switch. Aber bei der nächsten richtigen Generation hoffe ich, dass wieder (fast) alles beim Alten ist, insbesondere das Fangen.

Mehr Infos zu Pokémon: Let’s Go!

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