Partnersuche mit Behinderung – Zwischen Oberflächlichkeit und Mitleid

Veröffentlicht am 19. September 2019 von Pascal Dupré

Wer kennt es nicht? Dieses Gefühl, Schmetterlinge im Bauch, einfach alles schaffen zu können und schwerelos zu sein. Alles gleichzeitig und noch mehr. Liebe!

Ich? Ich kenne es nicht.

Natürlich ist das Wort „Liebe“ auch vielseitig anzuwenden. Die einen lieben Kaffee, Spaghetti oder Erdbeereis. Andere lieben ihr Kuscheltier, ihre Spielekonsole oder den schnellen Internetzugang. Natürlich die Art von Liebe, die fast alle kennen: Zur Mutti, Omi oder Schwester (Familienmitglieder beliebig austauschbar).

Doch dann gibt es noch die Liebe zwischen zwei Menschen. Was das betrifft, bin ich eigentlich vom alten Schlag. Man lernt sich kennen, bevorzugt in freier Wildbahn. Plaudert etwas. Trifft sich noch ein zwei mal. Eventuell würde ich Blumen mitbringen. Eins führt irgendwann zum anderen… natürlich wenn man sich riechen kann. Aber davon gehen wir mal aus.

Meine Erfahrungen mit Online-Dating

Heutzutage ist das anders. Wir melden uns bei tollen Dating-Apps an, suchen uns was schickes aus und fragen den gegenüber „Und? Haste Bock?“ Dann „Bum, bum, ciao!“. Fertig! Ich hab diese Erfahrung nicht gemacht. Aber viele Bekannte erzählen mir, dass dies heutzutage die normale Vorgehensweise ist. Schade.

Nun bin ich fast 27 Jahre alt. Gerne wüsste ich auch, wie sich diese Liebe anfühlt. Wenn ihr mich fragt, ob ich schon mal so richtig verliebt war. Dann würde ich mittlerweile „vielleicht“ antworten. Bis vor kurzen hätte ich noch „2-3 mal“ geantwortet. Doch irgendwie bin ich mir nicht sicher, ob es Liebe war. Vielleicht auch nur ein verguckt gewesen sein.

Zumindest erlebte ich schon teils starke Enttäuschungen. Klar, gehört dazu. Im Nachhinein denke ich, diese großen Enttäuschungen hätte es nicht gegeben, wenn meine Auserwählte von vornherein ehrlich gewesen wäre. Ich hatte das Gefühl, ich wurde nur aus Mitleid hingehalten.

Wie ihr wisst, bin ich sehr experimentierfreudig und entdecke gerne neue Welten. Also meldete ich mich bei diversen Dating-Apps an und versuchte mein Glück. Bei den meisten würde ich direkt „gekickt“. Begründung: Keine Kinder erlaubt! Okay… ja, bin fast dreißig. Egal. Selbst eine Kontaktaufnahme mit dem Support brachte nichts. Andere Geschichte.

Tindern als Behinderter

Mir blieb am Ende nur die berühmte App mit dem nach links und rechts Wischen. Hier ist ja die „First Class“ der Oberflächlichkeit zu Hause. Im Nachhinein ärgere ich mich nicht Screenshots gemacht zu haben und diese nun als Buch zu veröffentlichen.

Entweder mir wurde nicht gerade freundlich mitgeteilt, dass ich hier (in der App) nichts zu suchen habe und verschwinden soll, so was wie ich sich nicht fortpflanzen sollte und ich doch unter meinesgleichen suchen soll. Oder ich wurde mit kiloweise Mitleid zugeschüttet: „Du bist sooo mutig, hier öffentlich nach jemandem zu suchen, obwohl du so bist wie du bist“. „Ich bewundere deine Kraft, öffentlich zu zeigen wie du bist.“ usw. usw… Okay, aber das ist total normal für mich. Warum soll ich mich denn verstecken?

Mein Highlight war eine Anfrage von RTL. Die wollten direkt einen Beitrag über mich und meinen Mut drehen. Ich lehnte höflich ab. Ich weiß, wie so was am Ende aussieht. Oder eine Dame die meinte, das sie mich super toll findet und nichts gegen meine Behinderung hat – aber ich bin ihr 10cm zu klein. Schade.

Mir ist bewusst das ich alles andere als der perfekte Mann bin. Das heute Karriere und der schnelle Spaß an vorderster Front stehen. Und ja, Zufälle passieren. Eins kommt zum anderen. Wer nicht sucht der findet usw. usw. usw.

Doch ich kann nicht irgendwie raus in die freie Wildbahn und zufällig der Künftigen in die Arme laufen oder sonst wie begegnen. Ich bin auf diesen Online-Quatsch angewiesen. Mit meinem besten Freund hatte ich schon öfter den Gedanken mich beim Speed-Dating anzumelden. Glaube aber das dies keine gute Idee ist.

Ein Funken Hoffnung bleibt

Manchmal wenn es mir schlecht geht, denke ich – warum darf ich nicht diese Liebe erfahren? – oder – soviel Zeit bleibt eventuell nicht mehr. Wer weiß – alles Quatsch irgendwie irgendwo. Aber langsam verliere ich den Glauben daran. Den Glauben daran das irgendwo da draußen die eine ist, die mich so mag wie ich bin.

Aber wer weiß schon. Vielleicht fahre ich schon morgen der künftigen in die Hacken, bestelle bei ihr ein trendy Getränk To-Go, komme mit ihr im Wartezimmer ins Gespräch oder tatsächlich übers Internet eine Mail oder eine Message. Wer weiß… Immerhin gäbe es dann eine gute Geschichte zu erzählen.

Euer Pascal

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2 Antworten zu “Partnersuche mit Behinderung – Zwischen Oberflächlichkeit und Mitleid”

  1. Jana sagt:

    Hei Pascal 🙂

    Ich bin über deinen Podcast auf dich aufmerksam geworden und finde ihn und dein Instagram Profil klasse! Das war der erste Blog Eintrag, den ich von dir gelesen habe aber hat mich total interessiert und auch sehr berührt. Werde mich auf jeden Fall mal weiter auf deiner Webseite umschauen.
    Es macht so Spaß deine Sachen zu lesen, weil sie so ehrlich und teilweise auch selbstironisch sind!!
    Mach auf jeden Fall weiter so 🙂

    Liebe Grüße aus Kapstadt,

    Jana

  2. Flo sagt:

    Hallo Pascal,
    Verfolge dich schon länger. Habe oft mal von dir gelesen das du eine Partnerin suchst und würde mich für dich freuen wenn es klappt.
    Hab überlegt was man dir für einen Tipp geben könnte. Bin zu keinem wirklich guten Ratschlag gekommen. Hatte generell aber überlegt das es vllt eine Online Plattform geben sollte die von sich aus sagt: „Hey. Hier gibt es Menschen die offener sind und nicht den Standard Klischee Partner suchen.“ Da könnten dann offenere Menschen ohne Behinderung, mit Behinderung usw. zusammenkommen.

    Ich glaube bei Tinder usw. ist das Problem das generell mit „perfekten“ Menschen geworben wird und jeder fast mit einem „Model“ Anspruch sich da anmeldet.
    Es geht jetzt hier gar nicht mal um die Unterscheidung: Menschen mit einer Behinderung oder mit keiner Behinderung. Sondern evtl auch: Wie sozial akzeptiert ist ein Mensch. Wenn jemand jetzt bspw. „nur“ socially awkward ist hat er auf einer Plattform wie Tinder auch schon nichts verloren. Die meisten Leute dort sind wirklich extreeem oberflächlich. Da tummeln sich Leute rum die dauernd „ausgehen“, mit jedem Standard Menschen klar kommen und viele Freunde haben.

    Menschen die zb. an Dates mit Rollstuhlfahrern oder Blinden Menschen interessiert sind (nicht wegen Fetisch Gründen oä sondern einfach weil Sie offen sind), oder auch zb. offen für socially awkward Leute wären, sind glaube ich nicht die klassischen Tinder Nutzer.

    Ich hab keine Ahnung ob meine Ausführungen Sinn ergeben oder vernünftig sind.

    Zu Tinder kann ich nur sagen das ich dort selbst 2,5 Jahre aktiv war, nur 1 wirkliches Date hatte und der Rest bestand aus „hinhalten“, „ghosting“ und unmatching. Danach hatte ich sowas von keinen Bock mehr auf den Scheiss das ich aufgehört habe solche Apps zu nutzen. Oberflächlichkeit wird da groß geschrieben. Ein Jahr später habe ich dann meine jetzige Freundin in der echten Welt kennengelernt.

    Ich weiß das es für dich nicht ohne weiteres so einfach möglich ist „da draußen“ die Richtige zu finden. Aber vielleicht ergeben sich durch das Internet und neue Plattformen gute Möglichkeiten. Wenn allerdings am Ende dann doch irgendwie durch Zufall die richtige Person in der Echten Welt auf dich trifft dann ist es natürlich auch nicht schlecht.

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