Juni.exe / Dinge und mit dem Rollstuhl zur Intersteam Berlin… 2K19

Veröffentlicht am 21. Juni 2019 von Pascal Dupré

… dort wo die Sonne schien.

76. Minute: 2:1 für die Niederlande. Ich frage mich, warum Frauenfußball nicht öfter gezeigt wird. Nein! Da werden die Abendspiele sogar nur im Stream gezeigt. Lieber die U21-Männer zeigen. Schade eigentlich, aber eine andere Geschichte.

Nun blättere ich mein Tagebuch durch, um zu gucken, was ich diesen Monat erlebt habe. Gefühlt so viel, dass ich nicht weiß, wo ich anfangen soll. Rückblickend doch wenig, aber intensives.

Zu Beginn des Monats trafen Daniel und ich Ben. Ben ist Jugendreporter beim Dresden Fernsehen und hat einen eigenen YouTube Kanal. Natürlich ist er auch eifrig auf sozialen Netzwerken unterwegs. Nicht zu verachten was er für sein Alter schon alles so macht. Er hat mit mir und Daniel einiges vor. Hierfür wurden kräftig Pläne geschmiedet, die dann in den nächsten Monaten umgesetzt werden. Bin guter Dinge.

Mitte des Monats veröffentlichte ich ein Blog-Post der ein wenig veranschaulichen sollte, warum wir als Gesellschaft weit von Inklusion und Barrierefreiheit entfernt sind. Leider gab es ein paar Leser die nicht verstanden, worauf ich eigentlich hinaus möchte. Daher hier noch mal zwei aktuelle Beispiele: Diesen Monat planten Daniel und ich einen Tagesausflug nach Berlin. Eigentlich wollten wir hin und zurück mit der Deutschen Bahn. Allerdings war die Rückfahrt nicht möglich. Da hätten wir bis zu drei mal umsteigen müssen, was mit dem Rollstuhl nicht geht. So entschieden wir uns für den Flixbus. Der normale Mensch zückt sein Handy, wählt den Bus, Zeit und eventuell Platz. Fertig!

Ich als schwerbehinderter Rollstuhlfahrer darf in eine Filiale rollen. Zum Glück hat Dresden eine. Gibt’s nämlich nicht in jeder Stadt. Also bei 69 Grad im Flixbus-Lädchen 30 Minuten lang alles abklären und buchen. Behindertenausweis, Ausweis der Begleitperson, Namen, Nummern etc. …das dauert seine Zeit. Die Mitarbeiterin war sehr sympathisch und hat uns gut beraten. Trotzdem ein Umweg für mich. Hier werde ich ausgegrenzt!

Rückreise ist gebucht. Jetzt die Hinreise. Auf ins DB-Reisecenter. Yeah! Das klingt schon so toll. Auch hier nimmt der Normalo sein Handy. Ein paar Klicks. Fertig. Wir drücken auf das Knöpfchen mit dem Rollstuhl drauf, bekommen eine Nummer und warten. Gefühlt sind es hier nur 66 Grad, das geht ja noch. Nach einer Viertelstunde sind wir dann endlich dran. Wir landen bei der wohl schnellsten Mitarbeiterin des Unternehmens. Auch sie war sehr sympathisch. Trotzdem zog sich das alles sehr. Hier und da wirkte sie etwas überfordert. Machte uns aber einen guten Preis. Also alles OK. Mit jeder Menge Zetteln ging’s wieder nach Hause.

Insgesamt haben wir für beide Fahrkarten (Flixbus und Deutsche Bahn) 90 Minuten opfern müssen. Beide an einem Tag hintereinander gekauft. Mit dem Telefon hätte man wohl nur 9 Minuten gebraucht…. da bin ich schon hoch rein gegangen.

Eventuell kommt jetzt etwas besser rüber, was ich meine. Ich muss immer einen Umweg gehen. Egal was ich machen möchte. Spontan mal was machen? Nee! Ich fühle mich ausgegrenzt!

Auf nach Berlin. Lustiger Weise wusste die sehr freundliche Zugchefin nicht, dass ein Rollstuhl angemeldet ist. Lief also top mit der Anmeldung. Konnten natürlich trotzdem mit und hatten eine sehr gute Fahrt. Mit der Bahn ist schon sehr angenehm.

In Berlin erwartete mich ein guter Freund. Er begleitete uns bis zur Messe. Im Hauptbahnhof Berlin standen so viele vorm Fahrstuhl, dass ich als Rollstuhlfahrer nicht mitkam. Also nahmen wir die Rolltreppe (zu sehen im Video). Ich hab ja nicht ewig Zeit. Mal den anderen zeigen, wie es geht. S-Bahn fahren war kein Problem. So waren wir pünktlich und konnten ins Abenteuer starten.

Mein Besuch auf der Intersteam-Messe

Wir waren dieses Jahr zum zweiten Mal auf der Messe. Wobei, ich glaube, die Messe gibt’s auch erst seit drei Jahren. Letztes Jahr war ein echtes Highlight, aber zu kurz. Die Intersteam Berlin ist eine „Dampfer-Messe“. Nein, nicht das Schiff, das bessere Rauchen. Auf 6.500 Quadratmetern tummeln sich Aussteller aus aller Welt. Zum Thema „Dampfen“ findet man hier einfach alles – Fachwissen, Vielfalt und Qualität. Auch ein bisschen Mist, wie wohl auf jeder Messe.

In erster Linie freute ich mich alte Freunde wieder zu sehen, Internet-Bekanntschaften endlich in echt kennenlernen zu dürfen und eventuell neue Leute kennen zu lernen. Selbstverständlich sagte ich auch nicht nein zum ein oder anderen Test von Geräten oder Liquids. Wie ihr wisst, dampfe ich in erster Linie gegen die Schmerzen. Also mit CBD drin. Neben den Tropfen eine gute Ergänzung. Auch hier ergaben sich neue Bekanntschaften. Ich konnte gewisse Dinge dazu lernen und viel fachsimpeln. Was alles sehr spannend war.

Es war etwas warm, was meiner Laune allerdings keinen Abbruch tat. Einen Kritikpunkt habe ich aber an der Messe: Der Aufbau war dieses Jahr nicht wirklich gut. Man verlief sich schnell, kam immer wieder an der gleichen Stelle raus und manche Stände fand man gar nicht. Das war etwas traurig und tat der Stimmung ein bisschen Abbruch. Trotzdem war es wieder ein absolutes Highlight. Ich hatte wirklich sehr viel Spaß. Impressionen von der Messe und der Hinfahrt findet Ihr im Video.

An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Daniel, der sich wunderbar um mich gekümmert hat an diesem Tag. Wahrscheinlich hat er sogar mehr gelitten als ich.

Die Rückfahrt nach Hause

Zurück ging es ja mit dem Flixbus. Das erste Mal für mich. War schon gespannt wie das läuft. Der Rollstuhl wird zerlegt und kommt unten rein. Ich musste dann einsteigen und mich auf den Schwerbehinderten-Platz setzen. Dieser ist nur durch ein Zeichen gekennzeichnet, nicht irgendwie größer oder breiter. Was ich nach einer Weile auch an den Knien merkte. Der Fahrer war die erste halbe Stunde am Telefon. Auf Beschwerde reagierte Flixbus nicht, was ich sehr schade finde. Am Ende kam ich heil in Dresden an. Allerdings bevorzuge ich dann doch lieber die Deutsche Bahn. Die kann nämlich nur vor und zurück und das fühlt sich insgesamt sicherer an.

Der Juni war insgesamt ein durchwachsener Monat. Höhen, Tiefen und ein großes Highlight – also fast wie immer, nur mit einer Ausnahme. Ich lernte neue Leute kennen, traf alte Bekannte und sah andere Gesichter die ich noch nicht kannte. Schön wenn man im Alter noch was lernen kann.

Ich bedanke mich, dass Du Dir die Zeit zum Lesen genommen hast!

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Liebe Grüße,
Pascal

Eine Antwort zu “Juni.exe / Dinge und mit dem Rollstuhl zur Intersteam Berlin… 2K19”

  1. Felix Falkowski sagt:

    Ich bin gespannt auf eure Vorhaben mit Ben. Es klingt vielversprechend. Das die sogenannte Gleichberechtigung (Stichwort: Inklusion) in Deutschland immer noch nicht besser von statten geht, wundert mich leider nicht. Es sollte anders sein und muss anders werden. Der Aufwand, den ein Mensch mit Behinderung derzeit immer noch aufwenden muss, ist enorm. Die Intersteam mit dir, Daniel und den anderen verrückten und bunten Konsorten war einfach klasse. Das Flixbus-Debakel kenne ich nur zu gut. Natürlich nicht in dem Umfang, wie es dich betrifft, aber meine langen Stelzen schmerzen auch nach zwei Stunden.Blöderweise gibt es keine günstige Konkurrenz. Jaja, ja, jetzt kommt „Bla-Bla-Bus“ aus Frankreich. Mal sehen, wie lange es dauert, bis Flixbus diesen Konkurrenten auch schluckt. Schauen wir mal, wie es aussieht, wenn FlixTrain ihr Streckenangebot erweitert und ob sie einen guten barrierefreien Reiseverkehr möglich machen.

    P.S.: Toller Blog-Beitrag <3

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