Juli – Teil 1: Mir geht‘s nicht gut… 2K19

Veröffentlicht am 1. August 2019 von Pascal Dupré

… habe keine Lust zu Reimen!

In den letzten Wochen und Tagen habe ich mehrere Texte angefangen zu tippen. Alle mit verschiedenem Inhalt und trotzdem alle irgendwie relevant. Nun bin ich ja ein bekannter Perfektionist und selten zufrieden mit dem was ich hervorbringe. So ist es auch mit diesen Texten. Da sich der Monat dem Ende neigt, beschloss ich einen viel zu langen Blog-Artikel zu tippen und diesen in mehrere Teile zu teilen.

Mein Juli fing ziemlich beschissen an und blieb dann auch so.

Mir gehts nicht gut.

Seit Anfang des Monats quält mich eine Wunde am Rücken. Diese hat sich direkt über der Wirbelsäule gebildet. Sie war zu Beginn nicht wirklich groß, aber verursachte Schmerzen wie ich sie nur selten habe. Ich konnte nicht sitzen, nicht liegen und nicht mal richtig atmen. Jede kleine Bewegung verursachte Schmerzen, die ich nicht wirklich beschreiben kann. Mir ging es teilweise so schlecht, dass ich nicht mal richtig Appetit hatte. Ihr wisst ja, wie gern ich eigentlich esse.

Da die Wunde keine Anstalten machte kleiner zu werden, kontaktierte ich meine Hautärztin. Sie nahm mir ein wenig die Angst und organisierte mir direkt Salben und Cremes. Tatsächlich hatte ich teilweise große Panik beim Blick auf die Wunde. Irgendwie hatte ich sowas noch nie. Farbe und Form bereiteten mir … um ehrlich zu sein … eine Todesangst. Aber so schnell stirbt man ja bekanntlich nicht.

Während ich diese Zeilen tippe, wechselt das Kalenderblatt auf den 23. Juli. Heute ist die Wunde sichtbar kleiner, sieht „gut“ aus und tut nur noch halb so weh. Überstanden ist es noch nicht, aber ich bin auf einem guten Weg! Immerhin esse ich wieder mit Freude und Sparzierfahrten im Rollstuhl kann ich wieder mehr genießen.

Generell befindet sich die Haut momentan in keinem guten Zustand, was verschiedene Gründe haben kann. Stärkeres Schmerzmittel wegen der Wunde, welches starken Juckreiz verursacht und auch die Schleimhäute angreift. Zu viele schlechte Gedanken in meinem Kopf, die sich auf die Haut projizieren. Ja, das ist möglich.

Apropos schlechte Gedanken…

Ich bin müde

Ich bin müde …
Müde mich mitzuteilen.
Müde mitzureden.
Müde mich aufzuregen.
Müde Twitter zu lesen.
Müde mir etwas vorzunehmen.
Müde Dir dein Wort zu glauben.
Müde ja zu sagen.
Die Liste ist unerträglich lang und könnte immer weiter gehen, aber das erspare ich Euch.

Ich bin müde…

Hier soll es nicht um das allseits beliebte Thema Depression gehen. Nur weil ich mal einen Hänger habe und unmotiviert bin, bin ich nicht direkt depressiv. Ich bekomme aber oft zu hören „Bei deiner schweren Situation bist du doch du sicherlich depressiv?!“ Ich bin es auch müde, das zu hören. Ist aber wieder eine andere Geschichte.

Jeder hat seine viel zu vollen Taschen zu tragen. Der eine mehr, der andere weniger. Mir ist bewusst, dass das Leben nicht immer schnurgeradeaus geht und man nicht von allen Seiten mit Keksen, Milch und kostbarster Seide zugeschissen wird. Doch ich bin müde Menschen zu begegnen, die einem das Blaue vom Himmel versprechen, einem schöne Augen machen und die Zukunft bunt malen. Dann aber merken, dass sie zu viel versprochen haben und das Mundi zu früh aufgerissen haben. An sich kein Problem, doch bitte seid doch ehrlich. Nicht nur zu mir, zu allen. Die Wahrheit ist ein kostbares Gut! Tut auch weniger weh, als die Person auf Ewigkeiten immer wieder zu vertrösten… oder noch schlimmer, einfach zu ignorieren. Idioten begegnet man immer wieder im Leben. Gefühlt war es jetzt im Juli besonders schlimm. Eventuell könnte man auch Ende Juni dazu zählen. Was mich einfach nur noch nervt.

Randnotiz: „Ich bin müde“ könnte man ersetzen durch „Ich hab’s satt“ „Mir reichst“ „Ich hab die Schnauze voll“. Ich bin müde mein Vertrauen anderen zu schenken. Ich verliere mein Vertrauen immer mehr. Ein Versprechen, große Worte. Ich glaube nichts mehr.

Ich bin müde im Internet aktiv zu sein. Ich bin müde meine Meinung zu äußern. In Zeiten des Internetzes landen Meinungen meist schneller als man denken kann in den unendlichen Weiten. Ein Bruchteil davon haben einen echten Wert. Andere sind so banal wie meine Sockengröße. Trotzdem haben diese Meinungen ihre Daseinsberechtigung. Doch leider sieht das keiner mehr. Dir gefiel Serie XY nicht so? Du Untermensch! Wie kannst du nur nicht mögen, was ich mag? Hatte heute das beste Steak, was ich je hatte. Jetzt noch schön einen Kakao! Ha! Denk doch mal an die armen Tiere! Du trinkst den Kälbern das Futter weg. Überhaupt und sowieso, ich als Veganer bin der bessere Mensch! Das Beispiel geht übrigens auch andersrum. Denkt mal drüber nach!

Wann ist das passiert? Wann haben wir damit aufgehört, andere Meinungen zu akzeptieren? Oder einen vernünftigen Dialog zu führen. Ach, das ist ja interessant. Mir gefiel die Serie eigentlich echt gut. Was gefiel Dir denn nicht? Nee, das gibt’s nicht.

Alle predigen immer Respekt und Toleranz, sind dann aber selbst weder tolerant noch respektvoll. Anders denken wird nicht akzeptiert, egal in welche Richtung oder wie simpel.

Achso… weiß gar nicht ob das zu dem Punkt hier passt. Fiel mir aber ein als ich schon fertig war. Wehe man steht öffentlich dazu, dass man Nestle-Produkte kauft. Das geht natürlich gar nicht! Schämt euch alle! JAAA! Hauptsache ich kann mich damit brüsten ein besserer Mensch zu sein. Neben dir sehe ich besser aus.

Genau so bin ich müde geworden in Schubladen gesteckt zu werden.

Usw usw usw … mit Absicht überspitzt dargestellt. Nicht dass sich eine zarte Seele angegriffen fühlt die aus ihrer bequemen Blase einen Blick hierhin geworfen hat.

Womit ich gleich beim Nächsten bin. Ich bin müde, dass jeder nur in seiner Blase lebt. Ja nichts mitbekommen, was einen aufregen könnte. Schöne heile Welt wie sie mir gefällt. Dann sich aber aufregen warum keiner liked, teilt und mitdiskutiert. Plötzlich willkürlich neue Themen aufgreifen und meckern das die Bubble nicht mitdiskutiert.

Übrigens, nur weil man nicht zu jedem Krümel seine Sahne ins Internet schreibt, bedeutet das nicht, dass man sich nicht dafür interessiert oder engagiert. Diese Vorurteile/Behauptungen nerven nur noch und nehmen mir den Spaß. Könnte mir ja eine Bubble bilden in der ich all das nicht mehr mitbekomme und überall nur Regenbogen und Schmetterlinge sind. Mein Leben findet nun mal zu großen Teilen im Internet statt. Da ist es schwer, aus dem Weg zu gehen und einfach mal in der Natur abzuschalten oder ähnliches. Allerdings habe ich angefangen den Moment mehr zu genießen. Einfach mal nicht immer das Telefon in der Hand. Nicht jede Mahlzeit fotografieren. Nicht jeden Pups teilen. Bäh, mag mich selbst gerade nicht. Klingt ekelhaft, was ich da schreibe.

Versteht mich nicht falsch. Ich habe jede Menge Spaß, diese Artikel zu schreiben, mein Leben in Bildern bei Instagram zu dokumentieren oder meinen Senf bei Twitter zu verteilen. Doch ich glaube man sollte es nicht übertreiben. Alles in Maßen, eventuell zwei drei mal mehr überlegen. Vor allem mehr einen Dialog führen und nicht immer seine Meinung als einzig richtige aggressiv verteidigen.

All dies und ein paar andere Sachen, die ich hier nicht erzählen möchte oder kann, schwirren derzeit in meinem Kopf rum. Die Wunde hat mir sehr zugesetzt. Wenig Ablenkung. Somit konnten sich meine Gedanken frei im Raum ausbreiten und vermehren. Ich glaube das Niederschreiben hilft, was das angeht. Die Durststrecke geht vorbei und bessere Zeiten kommen. Wer weiß was passiert. Ich bin bereit und vielleicht bin ich dann auch nicht mehr müde.

Ein Hinweis in eigener Sache

Sollte Dir gefallen was ich mache, dann sag es weiter oder lass mir doch ein netten Gruß zukommen. Falls Du mich sogar unterstützen möchtest, dann geht das über Patreon. Via Amazon-Wishlist kannst Du mir auch kleine und große Wünsche erfüllen. All das muss aber nicht sein. Für mich ist es Freude genug, wenn Du Dich an meinem Schaffen erfreust.

Euer Pascal

5 Antworten zu “Juli – Teil 1: Mir geht‘s nicht gut… 2K19”

  1. Raphael sagt:

    Bindet man zwei Vögel aneinander, so können sie nicht fliegen. Was paradox ist, da sie nun vier Flügel anstatt zwei haben und ihnen zwei zum Fliegen genügen.

  2. Matze sagt:

    Moin moin lieber Pascal.
    Schön mal wieder was von dir zu hören, auch wenn es mal um was negatives geht. Manchmal muss es halt raus und das ist doch schon ein Schritt in eine andere Richtung. Hab deinen Artikel mit großem Interesse gelesen und warte geduldig auf weitere.
    Gute Besserung mein Freund.

    Matze

  3. Bommelben sagt:

    Ach Pascal, Du sprichst mir sehr aus dem Herzen, auch wenn ich selbst meine Blase immer enger ziehe, weil ich einfach mit diesem Hass und dem Unmut nicht mehr konfrontiert werden möchte.
    Ich wünsche Dir eine schnelle und gute Besserung für Deine Wunden und hoffentlich findest Du ein Mittel gegen die Müdigkeit. Ich habe Dich lieb.

    P.s. Jetzt habe ich bock auf Kakao (ABER NICHT DEN VON NESTLE!!!1!)

    p.p.s Gnihihihi, Du hast Brüste gesagt!

  4. Timur sagt:

    Lieber Pascal.
    Deine Situation ist wahrlich beschissen, das ist nicht zu bestreiten.
    Allerdings habe Ich ein Problem mit deiner Argumentation in diesem Nestle Beispiel (bzw. mit der generellen Argumentation in solchen Fällen) und will mich dazu äußern, Ich bin sonst ein stiller Leser und war schon immer ein stiller Hörer von dir und deinen Projekten, das muss Ich nun ändern.
    Es steht dir natürlich völlig frei Produkte von nestle zu kaufen, allerdings musst du dann auch mit der Kritik leben, die dir eben deswegen entgegen geworfen wird. Das ist nämlich ebenfalls fest verankert.
    Natürlich darfst du Produkte von Nestle kaufen, darfst es stolz posten und dich über die Leute lustig machen, die sich nun aufregen aber solch eine Kritik verhöhnend darzustellen, finde Ich ziemlich verwerflich. Diese Leute kritisieren dich dafür, dass du eine Firma unterstützt die jeden Tag menschenverachtendes Zeug tut, dazu gibt es noch genug Alternativen, die weder mehr kosten, noch anders schmecken! Diese Leute wollen nicht unbedingt ein besserer Mensch sein, sie wollen dich eventuell auch nicht einschränken oder sonst was aber diese Leute sagen dir halt einfach ihre Meinung und du machst dich an dieser Stelle leicht darüber lustig und redest nicht darüber, warum die Leute das eben doof finden und fragst auch nicht nach Alternativen, mit denen die Kritik weg wäre.

    Dieses trotzige Gestänker ist einfach unerträglich.
    Ja natürlich darf jeder trinken, essen, rauchen oder spritzen was, wo und wie er will.
    Aber man sollte sich dann definitv nicht darüber aufregen, wenn man Kritik für etwas erhält (Wenn es berechtigt ist). Wenn man diese nicht verträgt, dann sollte man eventuell auch keine Kritik ausüben!

    „Ist doch nicht so schlimm!“ Denkst du jetzt sicher! Aber naja, du kannst dieses Beispiel auch auf andere Aussagen ummünzen.

    Lass dir das eventuell mal durch den Kopf gehen, einen schönen Dienstag wünsche Ich dir!

    Liebe Grüße
    Dein langjähriger Hörer
    Timur.

    • Hey Timur!
      Danke für dein Kommentar und deine ehrliche Kritik. Das weiß ich sehr zu schätzen und vermisse ich auch hin u d wieder.

      Wie du das gerade gemacht hast, gefällt mir sehr.
      Tatsächlich ging es hier gar nicht im mich. Ein Internet Freund kaufte sich Cornflakes mit einem Lama drauf. War super happy damit. Recht unfreundlich wurde ihm dann wieder die „Nestle-Klatsche“ ins Gesicht geklatscht. Das blieb irgendwie hängen.
      Ich versuche die Produkte zu meiden. Soweit es geht. Generell lege ich ja eher wert auf Qualität von Produkten (egal was) also sind ein paar Euro mehr da egal. Vor allem bei Lebensmitteln.

      Jetzt hab ich ein wenig nachgedacht. Ich glaube mir geht auch hier wieder darum wie man es anspricht. „Ey du bist scheiße weil Nestle“ ist hier der falsche Weg. Dann eher „hey. Schön das Dir das Lama gefällt. Aber wusstest du folgendes…“ usw. usw.
      Ich denke du verdrehst worauf ich hinaus möchte. Vielleicht hätte ich das anders ausdrücken können.

      ABER! Ich freue mich echt sehr über deinen Kommentar. Endlich mal gute konstruktive Kritik. Keine kryptische Botschaft. Kein mimimimi. Du hast ordentlich gesagt was Sache ist.

      Dankeschön!
      Auch wenn’s irgendwie doof klingt.

      Ganz liebe Grüße.
      Vielleicht liest man sich mal wieder.
      Pascal

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