Erträglichkeit der Tiefschläge

Veröffentlicht am 24. Juni 2021 von Pascal Dupré

Werte Gemeinde, liebe Lesenden.
Gestern setzte ich mich mit einem kalorienreichen Stück Kuchen und einer heißen Tasse Kaffee an meinen Schreibtisch. Bereit, im Discord zu meinen Freunden zu stoßen. 
Ich lehnte mich zurück und dachte nochmal über die vergangenen Wochen und Monate nach und fing einfach an zu weinen. Irgendwie bin ich gerade von mir selbst überrascht. Normalerweise bin ich der Typ, den nichts unterkriegen kann. Das Meiste geht mir am Arsch vorbei. Mit den Jahren habe ich gelernt, gewisse Sachen aus Selbstschutz nicht an mich ranzulassen. Doch in letzter Zeit fällt mir genau das immer schwerer. Vor allem nach dem, was vor Kurzem passiert ist. Mit den folgenden Zeilen möchte ich euch einen kleinen Einblick in mein aktuelles Dasein geben. Meine Gefühle und meine Gedanken mit euch teilen. Das letzte Mal ist nun auch schon etwas länger her.

Der Gesundheitszustand

Fangen wir mal mit dem an, was dich als Leser_in wohl am meisten interessiert. Wie es mir geht.
Kurz und knapp: Mir geht’s nicht gut. Vor allem psychisch habe ich in der letzten Zeit sehr zu kämpfen. Doch auch die Schmerzen werden momentan deutlich stärker. Wobei ich glaube, dass das Eine mit dem Anderen zusammenhängt. Hinzu kommt die enorme Wärme, die meinen Wunden unter den Verbänden wieder zusätzlich schadet und dadurch noch zusätzlich unangenehme Hitze verursacht … die nächste Wohnung wird auf jeden Fall eine mit Klimaanlage.

Das Geständnis

Bei der Gelegenheit möchte ich euch gleich etwas gestehen. Die letzten Artikel sind alle nicht meiner eigenen Feder entsprungen, sondern in Zusammenarbeit mit Matthias entstanden. Matthias ist nicht nur ein guter Freund, sondern kümmert sich auch um meine Homepage und alles, was irgendwie damit verbunden ist. Wir haben uns abends gemeinsam in ein Zoom-Meeting gesetzt, er hat meine Gedanken aufgeschrieben und zu einem Artikel geformt. 
Doch warum? Weil ich bis dato nicht schreiben konnte. Nicht wegen der Hände oder so. Sondern wegen einer Blockade im Kopf. Teilweise fing ich mit Texten 3, 4 Mal an und schaffte es dennoch nicht, mehr als zwei, drei Sätze aufs digitale Papier zu bringen. Doch das ist nicht der einzige Grund. Vielleicht ist euch aufgefallen, dass meine monatlichen Blog-Artikel nicht mehr kommen. Dies liegt nicht nur an den genannten Gründen, sondern auch daran, dass ich schlichtweg nichts Erlebe, was berichtenswert wäre. Was wohl zu großen Teilen am pösen pösen SARS liegt, doch irgendwo auch an meiner derzeitigen Situation.
Viel zu viel bleibt derzeit auf der Strecke. Beispielsweise der Artikel zu dem Xbox Headset, zu welchem ich noch ein Video machen wollte. Was ich nicht auf die Reihe bekam. 
Ich wollte einen Artikel zu wunderbaren, plastikfreien Trinkhalmen schreiben, die die erste Alternative sind, die ich gut finde. 
Kuchen im Glas! Habe ich mir natürlich direkt gekauft. Der war so super, dass ich unbedingt etwas dazu schreiben wollte, um meine Freude über dieses saftige Meisterwerk mit euch zu teilen. 
Ein Interview mit mir sollte auf meinem YouTube-Kanal kommen. 
Fette Streaming-Beleuchtung von Elgato wurde mir zugesendet. Darüber sollte eigentlich auch etwas hochgeladen werden. 
Doch es bleibt alles liegen, weil ich es nicht schaffe.
Mein Kopf sagt nein!
Nun sagen vielleicht Einige von euch: „Ist doch okay! Du musst doch nicht. Werde erstmal wieder fit.“ Jaaa. Neee…. Verstehe ich. Das Ding ist leider, dass ich mich in letzter Zeit eh schon so nutzlos fühle. Ich habe keinen Plan was ich hier eigentlich soll. Dann ist es ja eigentlich cool, wenn ich etwas hätte, worüber ich schreiben oder Videos machen könnte. Gerade um wenigstens eine kleine Beschäftigung zu haben. Um mich eben nicht so wertlos zu fühlen.
Und bei der Gelegenheit möchte ich gleich mal noch etwas loswerden. Nur rumsitzen, Videospiele zocken, Serien gucken und sinnlos Süßigkeiten in sich reinprügeln ist gar nicht so cool, wie Einige immer annehmen.

Die Absage

Doch warum setze ich mich gerade jetzt wieder hin und haue in die Tasten? 
Wie zu Beginn schon erwähnt ist etwas passiert, das etwas in mir ausgelöst hat. Als wurde eine Art Schalter in meinem Inneren umgelegt.
Ich habe hin und her überlegt, ob ich überhaupt darüber schreiben möchte. Doch ehrlich. Es geht hier um eine Sache, die mir im Leben so noch nicht untergekommen ist und die mir mal wieder gezeigt hat, wo eines der größten Probleme unserer Gesellschaft liegt. Bevor ich darauf weiter eingehe, möchte ich ein bisschen ausholen.
Vor einigen Wochen habe ich über Tinder (eine Dating-App, die ich nicht empfehlen kann, da an Oberflächlichkeit kaum zu überbieten) jemanden kennengelernt. Sehr sympathisch, wir hatten viele Gemeinsamkeiten. Nach einer Weile wechselten wir zu Instagram. Ich nahm meinen Mut zusammen, lud die Dame auf ein Eis ein und sie sagte zu. Da ich mittlerweile zweimal geimpft bin, ist dies kein Problem mehr. Hier ein Artikel von mir zu meiner Impferfahrung;

Meine Corona-Impferfahrung: Impfen geht auch mit Epidermolysis Bullosa


Long story short – Sie sagte etwa 3 Stunden vorher ab und blockierte mich (wahrscheinlich) im gleichen Atemzug. Schön und gut. Drauf geschissen. Wer so eine Aktion abzieht, hat meine Wenigkeit auch nicht verdient. Da habe ich auch nichts verpasst. Klar, ich war enttäuscht. Dennoch ist es okay für mich. Sie wird ihre Gründe gehabt haben. Auch, wenn es einfach besser ist, in so einer Sache ehrlich zu sein. Das können leider die Wenigsten.
Das ist aber nicht der Grund, weswegen ich hier wieder mein literarisches Können unter Beweis stelle. Sondern das, was danach passiert ist.

Die Diskriminierung

Das erste Mal in meinem Leben fühlte ich mich diskriminiert wegen meiner Behinderung, und zwar so richtig!
Nach einem, von mir eher spaßig gemeinten Tweet zu dem gerade beschriebenen Thema, erhielt ich auch einige Nachrichten. Einige schrieben „Schade“, andere wollten wissen was war. Völlig in Ordnung, keine Frage.

Doch eine Konversation stellte alles bisher Dagewesene in den Schatten.
So wurde mir erklärt, dass man mit Behinderten ja auch nichts machen könne. Tauchen, Klettern, Kinder bekommen und all die anderen Dinge, die das Leben lebenswert machen. Generell seien Behinderte ja nur ein Klotz am Bein. ACHTUNG: Ich habe die Konversation aus stilistischen Gründen extra etwas überspitzt dargestellt. Doch im Grunde war dies die Kernaussage.

Hier, an diesem Punkt, muss ich genau überlegen, was ich wie schreibe, da ich nichts vergessen möchte.
Erst einmal ist da diese Oberflächlichkeit, die mir vorgeworfen und mit der ich im gleichen Atemzug konfrontiert wurde. Zu behaupten, dass man mit Menschen mit einer Behinderung nichts machen könne. Hier mal die Definition von Oberflächlichkeit – nicht gründlich oder auch nicht gründlich genug, nur das Äußere beachtend.
Ich verstehe jeden Menschen, der für sich die Entscheidung trifft „Ich kann mir ein Leben mit einer behinderten Person nicht vorstellen.“. Das ist in Ordnung und nachvollziehbar. Setzt man sich allerdings nicht mit der Materie auseinander, dann ist es oberflächlich.
Oberflächlichkeit begegnet mir im Alltag so oft. Normalerweise lache ich darüber. Auch, wenn ich mir wünschen würde, dass diese Sichtweise verschwindet und mehr der Mensch im Mittelpunkt steht. Doch das ist eine andere Geschichte.
Das Harte an der Sache ist die Diskriminierung. Über diesen Punkt habe ich lange nachgedacht und gegrübelt. Doch ich bin mir sicher. Dies ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich wirklich richtige Diskriminierung erfahren habe.

Schon oft kam es vor, dass ich an Veranstaltungen nicht teilnehmen konnte, weil beispielsweise kein Fahrstuhl oder Rollstuhlplätze vorhanden waren. Solche oder auch andere kleinere Ausgrenzungen erfahre ich täglich an den verschiedensten Stellen. Sei es ein nicht abgesenkter Bordstein, zu enge Gänge im Supermarkt oder die Deutsche Bahn. Die Liste ist lang. Doch das ist keine Diskriminierung. Das ist „nicht mitgedacht“ oder einfach veraltete Bauweise.
Wenn sich dann eine Person vor dich stellt und dir sagt „du kannst nichts, weil du behindert bist“ bzw. „mit dir kann man ja eh nichts machen!“, dann fühle ich mich aufgrund meiner Behinderung diskriminiert.
Hier mal die Definition von Diskriminierung – Diskriminierung bezeichnet eine Benachteiligung oder Herabwürdigung von Gruppen oder einzelnen Personen nach Maßgabe bestimmter Wertvorstellungen oder aufgrund unreflektierter, z.T. auch unbewusster Einstellungen, Vorurteile oder emotionaler Assoziationen.

Warum ich die Definition hier mit einbaue? 
Weil mir anschließend gesagt wurde „Ich habe dich nicht diskriminiert!“, was salopp gesagt ein Schlag ins Gesicht war. 
Hat die Person mir gegenüber zu entscheiden, was ich gerade zu fühlen habe? Ich glaube nicht.

Wenn ich dann merke, dass ich gegen Windmühlen kämpfe, mir in allen Belangen nur widersprochen und mit dem Satz „Ich habe nur verallgemeinert“ jede Möglichkeit einer konstruktiven Diskussion genommen wird, dann weiß ich auch nicht mehr weiter.
Auch Verallgemeinerung kann verletzend und diskriminierend sein. Nicht nur gegen mich. Sondern gegen alle Menschen mit Einschränkungen.
Weil genau solch ein Denken ein großes Problem unserer Gesellschaft ist.
Kann nicht. Geht nicht. Wird außen vorgelassen.

Der Kampf und Die Gefühle

Ich kämpfe seit Jahren dafür, anderen Behinderten Mut zu machen, Selbstbewusstsein zu verteilen und zu zeigen.
Solche Aussagen sind dann halt ein Schlag in die Fresse für jeden mit einer Einschränkung. Da es diese Menschen deutlich mehr trifft. Weil es das ist, was diesen Menschen jeden Tag signalisiert wird.
Ich habe etwas gefühlt, was ich so einfach noch nie gefühlt habe. Da war Wut. Da war Trauer. Doch auch eine Menge Entsetzen. Und wisst Ihr, was das beste an dem ganzen ist? Ich hatte zu keiner Zeit nach einem Grund gefragt, warum ich versetzt wurde.
Genau dieses Gefühlschaos hat mich veranlasst, diesen Text hier zu schreiben und mir klar gezeigt, dass ich nicht aufgeben darf, den Menschen da draußen zu zeigen, dass Menschen mit Behinderung ein genauso normales Leben führen können. Dass man alles schaffen kann und viel möglich ist.
Tut mir einen Gefallen. Überlegt bitte, bevor ihr etwas sagt oder schreibt. Denkt kurz nach, ob ihr die Person gegenüber eventuell verletzen könntet. Auch, wenn es nicht mit Absicht war. Bei vielen Menschen kann das große Schäden hinterlassen. 
Nicht jeder gut gemeinte Ratschlag ist angebracht und kann auch mal für sich behalten werden. Stärkt lieber die Schwachen und schwächt sie nicht noch mehr.

Die Neuigkeiten Teil zwei

Eigentlich wollte ich noch ein paar Worte zum Thema Streaming schreiben. Doch ich möchte das jetzt so stehen lassen. Eventuell folgt bald ein weiterer Artikel mit mehr Informationen. 
Auch wieder mehr zu mir, meiner Person und meinem Alltag.
Bis dahin. 
Passt auf euch auf!
Stay Safe, 
Pascal

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2 Antworten zu “Erträglichkeit der Tiefschläge”

  1. Felix sagt:

    Hi Pascal,

    Schön von dir zu lesen!
    Halte den Kopf bitte weiter hoch und lass dich von Hitze und *rschlöchern nicht unterkriegen. Gegen ersteres gibt es Klimaanlagen (die man übrigens auch als mobiles Gerät und einen bezahlbaren Fenstertausch einbauen kann) und gegen zweiteres hilft nur persönliche Stärke. Es gibt so viele Menschen, die ich nicht verstehe. Manche haben nur kleine Macken, andere ticken plötzlich mit einem Messer aus. Was alle gemein haben, wir können sie nicht ändern. Selbst wenn es vereinzelt klappt, schaffen wir es niemals bei allen. Ich genieße daher viel mehr die Menschen, die mich in Kleinigkeiten oder in großen Angelegenheiten beeindrucken und versuche die Spinner zu ignorieren. Du gehörst zu der Gruppe, die mich von Beginn an beeindruckt hat und ich hoffe, dass man dich auf twitch bald wieder sehen kann!

    Sei gegrüßt
    Felix

  2. Manfred Falsarella sagt:

    Sehr geehrter Herr Dupré,
    Ihre Offenheit macht Mut und gibt Kraft.
    Nicht nur Behinderten, sondern auch Nicht-Behinderten. Mir zum Beispiel.
    Sie werden mir ein Vorbild sein – Herzlichen Dank.

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